Warum wir trotz Anonymität im Web 3.0 Diversität fördern sollten!

Das Web 3.0 bedarf keine Offenlegung der eigenen Person, man unterhält sich mit grafischen Bildern und Pseudonymen – keine Frage des Geschlechts, der Herkunft, Hautfarbe, Alter, ect. Es könnte so befreiend sein, doch das ist es nicht. Warum? Lasst uns in unsere Geschichte und gesellschaftliche Struktur eintauchen.

Um meine Sicht auf dieses Thema offenzulegen – ich identifiziere mich als 35-jährige weiße und german-passing, queere, cis-Frau. Geboren in Slowenien, aufgewachsen in Österreich und in Hamburg lebend. Niemand in meinem täglichen Umfeld liest mich als Frau mit Immigrationshintergrund. Meine Erfahrungen berufen sich auf über zehn Jahre selbstständige Arbeit als Beraterin für inklusive Social Media und Online Kommunikations Strategien und als Personal Branding Expert und Systemische Coach für Frauen* und queere Personen.

Unsere Welt wurde für Weiße Männer erbaut

Diversen Studien der letzten Jahre haben ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass unsere Welt nicht nur von Männern erbaut wurde, sondern eben auch für und im Speziellen für Weiße privilegierte Männer. Datenerhebungen haben große Differenzen offengelegt, die größten sind neben der viel diskutierten Gender Pay Gap, die primäre Erfassung von Männern in gesundheitsbezogenen Studien, aber auch Gegenstände des täglichen Gebrauchs, wie Fahrzeuge, Smartphone und Co – die Liste lässt sich hier beliebig fortsetzen. Diese Datenlücken kosten täglich Leben in der medizinischen Notversorgung, Medikamentenvergabe, Unfälle im Straßenverkehr und das nicht zuletzt, weil Straßen per se kein sicheres Umfeld für Frauen* sind – Gehwege, Beleuchtung, Gassen, …

Wenn wir nun an ein gesellschaftliches Abbild denken, dann ist das in unserer Vorstellung meist eine Gruppe von Weißen privilegierten Menschen – als Frauen* denken wir eher an Weiße Männer. Das ist im Grunde die Basis dafür, wie internationalisierte Sozialisierung funktioniert – wir machen einen Unterschied in Geschlecht und Hautfarbe, weil dieser Unterschied eben noch immer existiert.

Für eine inklusive Gesellschaft haben wir in den letzten Jahren sehr viel in Bewegung gesetzt. Wir haben uns online und offline in Gruppen versammelt. Frauen* wurden immer öfter zu gesellschaftlichen Vorbildern, Personen des öffentlichen Lebens haben sich vermehrt als queer positioniert. Immer mehr Männer identifizieren sich als Feministen und Allys. Diese Bewegung hat uns vor allem zwei Tatsachen vor Augen geführt – Frau* zu sein, ist kein Hindernis um Ingenieur*in, Mathematiker*in oder Astronaut*in zu werden UND queer sein lässt sich nicht therapieren, da es keine Krankheit (mehr) ist.

Warum braucht es nun Diversität im Web 3.0?

Nun fragst du dich wahrscheinlich, warum es Diversität im Web 3.0 braucht, obwohl dieser Space neutral sein könnte? Die Antwort liegt in “neutral”, weil wir alle noch immer neutral oder normal im Allgemeinen mit heteronormativ cis-männlich assoziieren. Deshalb konnten wir in den vergangenen Monaten einige Projekte beobachten, die sich als diskriminierend, rassistisch oder sexistisch herausstellten. Communities schlossen Menschen, die ihre Identität preisgaben und als queer, B*POC oder weiblich identifiziert wurden aus oder wurden beleidigend. Einige meiner Freund*innen glauben noch immer, dass das Web 3.0 ein boys-place und deren Playground ist, dass sie beruflich keine Relevanz dort haben und an Investments ist gar nicht erst zu denken. Diese Menschen fürchten sich davor, Teil der Communities zu werden, da sie im echten Leben schon viel zu oft mit Verweisen, Beleidigungen oder Übergriffen konfrontiert waren und leider noch sind.

Um eines an dieser Stelle festzuhalten, dass ist keine “gefühlte Wahrheit”, sondern durch Zahlen belegt:

  • Männer investieren doppelt so viel wie Frauen*: (16% of men vs 7% of women), exchange-traded funds (14% of men vs 7% of women), individual stocks (40% of men vs 24% of women), in mutual funds (30% of men vs 20% of women), real estate (36% of men vs 30% of women) and bonds (14% of men vs 11% of women). 08/2021 link
  • Kunst von Frauen verkauft sich im Schnitt knapp 50% unter dem Wert der Kunst von Männern. Zwischen 5 und 15% der NFT Projekte sind von Frauen. 03/2022 link

Es braucht die Sichtbarkeit von #WomenLedProjects, queeren und B*POC Projekten, um eine möglichst diverse Community ins Web 3.0 zu bringen. Wir brauchen diese sicheren Begegnungsorte, um gemeinsam zu lernen und zu wachsen. Wir brauchen diese Menschen, die uns daran erinnern, dass wir alle Willkommen sind und unseren Platz beanspruchen dürfen, um eigene Projekte zu kreieren.

Fehlende Sichtbarkeit von Frauen, B+POCs oder Menschen aus der LGBTQIA+-Community führt zu Reproduktion von internalisierter Diskriminierung. Wer nicht sichtbar ist, wird nicht nur nicht mitgedacht sondern findet einfach nicht statt.

Dajana Eder

Was kannst du nun tun?

Meistens reagieren Männer mit der Aussage “but not all men” und das ist auch richtig, steht auch nur nicht zur Debatte. Es geht nicht um einen selbst und die eigene Haltung gegen die Anderen (anderen Männer, Regierung, Nazis, Sexisten, …)

  • Wir können alle Allys für kleinere Gruppen sein.
  • Wir alle können unsere Hand gegen Diskriminierung heben.
  • Wir alle können einen Schritt zurücktreten und zuhören.
  • Wir alle können “diese” Projekte fördern.
  • Wir alle können “diese” Projekte und Statments der betroffenen Menschen teilen und so für mehr Sichtbarkeit sorgen.

Wir verletzen Menschen mit unserem Verhalten bewusst und unbewusst, meist in dem wir deren Schmerz nicht anerkennen. Das ist UNSER Problem, das unserer Gesellschaft. Solange wir nicht aktiv für Verbesserung einstehen, unterstützen wir die Fortführung dieses diskriminierenden Systems. Bewusstsein schaffen bedeutet, dass man bereit ist, anzuerkennen und zuzuhören. Die Bedürfnisse zu verstehen, zu fördern und zu helfen. So werden wir zu Allys, denn wir haben per Geburt eben nicht die selben Chancen – noch nicht!


Dieser Artikel ist Original am 22. März 2022 auf medium publiziert worden und diente der Bewerbung zur NFTnyc.

Anmerkung zum Beitragsbild: Mit meinem Know-how und meinen Mitteln supporte ich B*POC, queere und female* NFT Projekte, nicht zuletzt durch das Minten. Die Namen der Projekte finden sich auf Instagram oder Twitter.