personal branding

re:cap no11 || bist du im Club der Feminist:innen?

Wir tragen alle Verantwortung für die gemeinschaftliche Entwicklung unserer Gesellschaft. Manchmal sind wir dabei lauter und manchmal leiser – sehr häufig polarisieren Themen rund um Diskriminierung so sehr, dass extreme Lager entstehen und ein Diskurs in Angriff und Verteidigung endet und somit nicht mehr möglich ist. Und doch “muss” diskutiert werden und ja, es “muss” leider auch gelegentlich unangenehm sein, damit Themen an Relevanz gewinnen. 

In den letzten Wochen habe ich sehr viel diskutiert und noch viel öfter zugehört. Diese Ausgabe widme ich nun feminis[t]hinking. love d.

feminist:innen

Kaum ein Thema hat mich so sehr herausgefordert wie meine Entwicklung zu einer öffentlich aktiven Feministin. Denn in jeden Diskurs brachte ich automatisch ein Feindbild mit, das mir so gar nicht bewusst war. Ich musste verstehen lernen, dass durch meine Bezeichnung ein so aufgeladenes Gespräch entfacht werden konnte, ohne, dass ich sehr viel dazu beitragen musste. Ich erinnere mich noch daran, als ich vor acht Jahren zur Veganerin wurde – war ähnlich. Denn automatisch löst man im Gegenüber eine Art Abwehr aus, die durch Unwissenheit oder durch Wissen entsteht. Ein schlechtes Gewissen meldet sich, weil man mehr tun könnte. Es sind sowohl Frauen als auch Männer, die Feminismus als unangenehmes Stigmata erkennen und sich sofort angegriffen fühlen und das durch jede Aussage und jede Tat, die nicht mit dem Satz “aber nicht alle!” endet. Männer, die mir erklären, dass Rollenbilder einem Zweck dien”t”en, oder Frauen, die es für gar nicht so notwendig empfinden, weil ja vieles bereits besser ist als früher. Wir diskutieren über “Gendern” oder wie ich es lieber bezeichne “diversitätssensible Sprache” und über Frauenquoten und alte weiße Männer und währenddessen sterben Frauen durch “Ehe- und Familiendramen” und nicht durch FEMIZIDE und werden als “Opfer” in eine Schublade gepackt und nicht als Geschädigte durch Diskriminierung, Gewalt und Vergewaltigung auf Augenhöhe betrachtet.

Als ich für mich verstanden habe, dass Feminismus dazu da ist, eine Gleichberechtigung für ALLE MENSCHEN zu schaffen, wusste ich, dass ich keinen Tag länger ohne dieses Prädikat sichtbar sein will. Ja, ich bin eine Feministin, für dich und für uns.

Du Opfer!

*TRIGGER WARNUNG* Ich erinnere mich noch an eine Schulhofsituation, in der ein Kind übelst gemobbt, gestoßen und mit Gegenständen beworfen wurde und immer wieder hieß es “Du Opfer! Du Opfer! Du Opfer!”, es schallte durch den Schulhof und niemand kam, um das zu beenden. Wir alle waren Täter:innen! Die, die aktiv gestoßen und gerufen haben und die, die passiv nicht eingeschritten sind. Ich wusste, dass ich niemals “Du Opfer!” im Zusammenhang mit mir hören wollte und habe eines perfektioniert, meinen Körper von meinem Geist zu trennen, um in Situationen körperlicher Übergriffe ein aktiver Teil sein zu können und nicht als Opfer einen Tatort verlassen zu müssen. Die Gespräche in den letzten Wochen haben mir gezeigt, dass es nicht nur ein Übergriff war, sondern viele. Situationen, die ich mir erklärte mit, “ich war ja da” oder “das ist mein Freund” oder “so ist das nun mal”. Ich dachte mir, wenn ich es körperlich aushalten kann, dann muss ich es nicht anzeigen. So habe ich über Jahre weitergemacht und zugelassen, dass mich Menschen wie selbstverständlich verletzen, bis ich durch wenige besondere Menschen gelernt habe, dass mein Wort zählt und NEIN ein vollständiger Satz ist. Ich muss nicht ausführen, dass diese Übergriffe durch Männer passiert sind, durch jene, die mir nahe standen und jene, die nur sehr kurz Teil meines Lebens waren. 

Es sind heute diese Männer, Väter, Onkel, Freunde, Nachbarn, …, die unter anderem von mir einen differenzierten Umgang in meinen Äußerungen verlangen, um nicht diskriminiert zu werden. Als Argumente höre ich Aussagen, wie “Ich habe noch nie geschlagen oder vergewaltigt, also meine mich nicht mit!” und im nächsten Satz fallen Aussagen wie, “Frauen sollten überlegen, wie sie sich verhalten und anziehen!” und “Frauen sollten fraulich sein!” oder “Ich darf doch wohl noch meine Meinung äußern, ob ich diese Frau attraktiv finde oder nicht!” usw … NEIN NEIN NEIN und NEIN. Niemand bekommt einen Orden für nicht gewalttätig sein, sonder für aktiv gegen Gewalt einschreiten, egal auf welcher Ebene diese stattfindet. Und nein, die Meinung interessiert mich nicht, wenn sie nur dazu da ist, kundzutun, wie jemand denkt, der bewusst in Kauf nimmt, dass diese Worte verletzen können.

Feminismus bedeutet nicht, den weißen Männern dieser Welt etwas wegzunehmen, es geht darum, mehr Sichtbarkeit und Raum für alle zu schaffen!

Dajana Eder

Fehlende Sichtbarkeit im Beruf von Frauen oder Menschen aus der LGBTQI-Community hat den Ursprung in struktureller Diskriminierung, die so gegenwärtig ist, dass sie für selbstverständlich verstanden wird. Da wir in den letzten 100 Jahren nicht mehr therapiert oder eingesperrt werden, scheint es besser zu sein als in Ländern, in denen eine gewaltvolle Diskriminierung an der Tagesordnung steht. Wir dürfen nicht vergessen, dass täglich Frauen und Menschen aus der LGBTQI-Community nicht nur leiden, sondern auch sterben. Und nun frage ich mich, wie groß ist der Spagat zwischen sichtbar sein (und als aktivistisch gelten) oder passiv und still abwarten? Der Raum dazwischen gehört dringend besiedelt.

Deshalb sind meine Seminare und Angebote nicht nur für dein Personal Branding und deine Sichtbarkeit gedacht, sondern für eine gemeinsame feministische Veränderung unserer Gesellschaft.

something to join

books: Sich über Themen zu informieren, liegt in der eigenen Verantwortung. Wir dürfen nicht von geschädigten oder diskriminierten Personen erwarten, dass sie uns immer wieder erklären, wie wir uns besser verhalten können und so ihr Trauma triggern. Doch gibt es einige, die sich mit wundervollen Werken der Gesellschaft stellen, um mit Daten, Fakten und Recherchen, einem zu helfen, sich eine Meinung bilden zu können. Ich empfehle für feministische Ansprüche:

  • “Ein Zimmer für sich allein” Virginia Woolf
  • “Wenn Männer mir die Welt erklären” Rebecca Solnit
  • “Was wir Frauen wollen” Isabel Allende
  • “Wie wir begehren” Carolin Emcke
  • “Unsichtbare Frauen” Caroline Criado-Perez

person: Mein inspirierender und wundervoller Freund Brix Schaumburg fährt für trans*-Sichtbarkeit que”e”r durch’s Land. Seinem Projekt folgst du am besten via Instagram oder hörst seinen Podcast Herzfarben. Hier kannst du übrigens unseren Soul:Talk nachlesen und hören.

feminis[t]hinking : portraits of women

Meine Kunst findet sich in einer neuen Aufgabe wieder. Sie schreibt Geschichten auf meiner Olympia Monica aus 1952 und fotografiert Portraits in Monochrom von Feminist:innen, die ihre Gedanken über ihr Dasein in 2021 teilen.

Kreiert, um zu inspirieren. Um Stimme zu verleihen. Um Sichtbarkeit zu schaffen.
📷 leica m monochrome

Bis zur Veröffentlichung des Coffee Table Books wird noch ein wenig Zeit vergehen und wenn es das weltpolitische Geschehen zulässt, treffen wir uns bestimmt zu einer feierlichen Vernissage wieder. Bis dahin lade ich dich ein, dem feminis[t]hinking-Guide via Instagram zu folgen.

*women steht übrigens für alle Menschen, die Diskriminierung erfahren.

column

Wenn wir doch mit einem Satz erklären könnten, dass wir niemanden verletzten, nur gleichberechtigt sein wollen. Dass Sprache immer im Wandel ist, wir aber noch lange nicht den Duden neu schreiben. Alle einfach mal mehr zuhören und aushalten sollten, dass die eigene Meinung vielleicht gerade nicht gefragt ist. Dass es längst nicht mehr um Frauen an die Macht geht, sondern um Gleichberechtigung für alle Menschen. Liebe und Ehe für alle. Keine Diskriminierung bei der Job-Wahl. Und an alle weißen-hetero-cis-Männer die meine Zeilen nun lesen, es ist an der Zeit, euer Privileg zu erkennen und zu verstehen. So lange ihr nicht Angst haben müsst, nachts vor die Tür zu gehen, ist euer Leben nicht in Gefahr. Doch fragt mal eure B*POC-People, eure schwulen und lesbischen Freunde, die Trans*Menschen und die Frauen in eurem Umfeld, wie sie sich nachts in dunklen Gassen oder Tiefgaragen fühlen. DESHALB findet keine Diskriminierung statt, Feminismus ist nicht das Feindbild, es sind die Männer, die ihr Privileg benutzen oder nicht bewusst wahrnehmen, dass sie nur so geboren werden mussten. w/ love d.