daddy, i did it for you!

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Gerade auch das Fehlen eines Menschen verändert uns und enttäuscht werden wir nur von der Erwartung, die wir durch die Idealisierung der Situation erleben. “Daddy, i did it for you!” Diese Worte habe ich vor ein paar Tagen laut ausgesprochen und durch ihren Klang, einem Schmerz Raum gegeben, den ich mein Leben lang unterdrückt hielt.

Bist du nun stolz auf mich?

Ich stehe nun vor dir, ein leichtes Zittern in meiner Stimme, denn mein Herz pocht so laut, das jeder Herzschlag meinen Körper erbeben lässt. Ich sehe dich an und sage dir, dass ich all das für dich gemacht habe, dass ich all diese Wege gegangen bin, um heute vor dir zu stehen. Ich sehe dich an und wünsche mir, dass du mich anlächelst, dass du mir endlich sagst, wie sehr du mich liebst. Dass du mir endlich sagst, wie stolz du auf mich bist. Ich gehe auf dich zu und in dem Moment, in dem ich versuche zu erkennen, ob du mich nun endlich anlächelst und in deinen Armen Willkommen heißt, wird alles dunkel. Ich bin aufgewacht, es war ein Traum. Du bist nicht da, weil du nie da warst. Ich ziehe mir meine Decke über den Kopf und rolle mich ein, verstecke mich, wie ich es als Kind schon gemacht habe. Die kleinen Monster unter meinem Bett werden mich heute Nacht nicht holen. Eine Träne streichelt meine Wange und ich schlafe ein. Ich schlafe ein mit einem gebrochenen Herzen. Einer Enttäuschung. Einer nicht erfüllten Hoffnung. Einer Erwartung, die man als Kind an seinen Vater doch haben darf. Oder nicht?

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Eine Erwartung ist eine Erwartung

… und bleibt eine Erwartung. Eine Prophezeiung, die sich aufbaut und eine Enttäuschung mit sich bringt. Denn enttäuschen kann dich nur deine eigene Erwartungshaltung in dich, eine Person oder in eine Situation. Nach vielen Jahren gebe ich dem Schmerz dieses Verlustes einen Raum. Er darf nun da sein und ich darf nun endlich darüber traurig sein, dass ich ihn nie hatte. Den Vater, der mich auf meinen Wegen begleitet hat. Den Vater, der für mich eingestanden ist. Den Vater, der mir Autofahren beigebracht hat. Den Vater, der sich nun mit mir an meinem Mercedes freut.

Enttäusche dich nicht selbst

Wie oft ertappst du dich dabei, dass du unter deiner eigenen Erwartung leidest? Weil du etwas in eine Person projiziert hast, dass nicht wie “erdacht” eingetroffen ist? Ein Treffen, das anders lief. Ein Gespräch, das einen anderen Ausgang genommen hat. Lass los. Erwarte nichts. Das ist wohl eine der schwersten Aufgaben im Leben, doch jedes Mal, wenn es dir bewusst wird, kommst du ein Stück weiter. Du wirst ein Stück weit freier.

love d.